Eine disziplinierte, toughe Kämpferin
 
 

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Eine disziplinierte, toughe Kämpferin PDF Drucken E-Mail

Die Ernennung Ursula von der Leyens zur deutschen Verteidigungsministerin könnte sich als Glücksgriff erweisen

Ursula von der Leyen, die designierte neue deutsche Verteidigungsministerin, gilt als disziplinierte Kämpferin für die Rechte der Schwachen und Benachteiligten. Sie könnte in der neuen Aufgabe an Statur gewinnen.

Ulrich Schmid, Berlin

Führende Mitglieder der Unionsparteien und der Sozialdemokraten, unter ihnen Kanzlerin Merkel, der CSU-Chef Seehofer und der SPD-Vorsitzende Gabriel, haben am Montag in Berlin feierlich ein weiteres Mal den schwarz-roten Koalitionsvertrag unterzeichnet. Die Vereidigung der Regierungschefin und des Kabinetts folgt am Dienstag. Als grösste Überraschung, ja als Sensation gilt die Ernennung der bisherigen Arbeitsministerin Ursula von der Leyen zur Verteidigungsministerin.

Von der Leyen als Chefin im Verteidigungsministerium, das ist auf den ersten Blick eine überraschende, auf den zweiten aber eine superbe Wahl. Denn lässt man die Oberflächlichkeiten einmal beiseite und überhört den unsinnigen, ungehörigen und obsoleten Einwand, eine Frau habe in der Männerwelt des Militärs nichts verloren, dann bleiben im Grunde nur noch Positiva.

Die Tochter des früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Albrecht hat etwas durchaus Soldatisches. Sie ist siebenfache Mutter und seit Jahrzehnten in der Politik tätig – das schafft man nur mit einem fast schon phantastischen Mass an Leistungsbereitschaft, Disziplin und Organisationstalent. Und für solche Tugenden sind Soldaten und Generale durchaus empfänglich.
Militärische Haltung

Von der Leyen jedenfalls ist die menschgewordene Disziplin. Ihr Auftritt ist perfekt, ihre Selbstkontrolle legendär, ihr Lächeln strahlend und unerbittlich. In Talkshows argumentierte sie mutig und unerschütterlich. So gross ist von der Leyens Wille zur Selbstkontrolle, dass man manchmal die Spontaneität, den kleinen Fehler vermisst, der sie in die Sphäre der Alltagsmenschen rückte. Dass sie durchsetzungsfähig ist, hat sie als Familienministerin in der vom späteren Bundespräsidenten Christian Wulff geführten niedersächsischen Landesregierung bewiesen. Und dass sie wider den Stachel löcken kann und auch den Coup nicht scheut, glaubt man ihr, seit sie als Familienministerin in den ersten beiden Kabinetten Merkels und seit 2009 als Arbeitsministerin Politik und Medien mit immer neuen Ideen verblüfft, wie die Lage von Benachteiligten, Alten und Kindern zu verbessern wäre.

Neiderfüllt schielen Sozialdemokraten, Linke und Grüne ins Unionslager hinüber. Mit einer so prominenten Kämpferin für soziale Gerechtigkeit kann man nicht aufwarten. So eine hätte man auch gerne im eigenen Lager.
Fussangeln zuhauf

Der neue Posten bietet der 55-jährigen Ärztin von der Leyen, die schon lange an einem neuen Umfeld interessiert war, mannigfache Entfaltungsmöglichkeiten. Natürlich ist die Gefahr des Scheiterns real. Das Verteidigungsministerium gilt als schwierig. Schon mancher strebsame Politiker ist hier ins Straucheln geraten, man denke an Franz Josef Jung, der wegen der Kunduz-Affäre seinen Hut nehmen musste, oder an Thomas de Maizière, den die Drohnen-Affäre zwar nicht zu Fall brachte, dem sie aber doch so sehr zusetzte, dass es Merkel geraten erschien, ihn ins nicht ganz so gefahrenträchtige Innenministerium zu verschieben. Auslandeinsätze sind unbeliebt und ein günstiges Objekt für Skandalisierungen der Opposition, die Beschaffung von Rüstungsgütern ist ein heikles und kostspieliges Geschäft, das zudem in administrativer Geheimniskrämerei zu ersticken droht.

Doch von der Leyen ist schwieriges Terrain gewohnt, und mit der ihr eigenen Umsicht wird sie versuchen, Fussangeln zu umgehen. Die Annahme, sie sei von Merkel bewusst, in diabolischer Absicht gleichsam, in ein Amt befördert worden, in dem sie «nur scheitern kann», ist absurd, denn natürlich weiss die Kanzlerin genau, dass von der Leyen im neuen Amt auch an Statur gewinnen kann.

Reüssiert die Ministerin, so wird sie in den kommenden Jahren noch öfter als bisher als potenzielle Nachfolgerin Merkels gehandelt werden. Sicher, als sozial mitfühlende, sich ewig sorgende Mutter der Nation kann sie sich vor den Fernsehkameras fürderhin nicht mehr gerieren – der zu erwartenden Forderung nach mehr Soldatinnen in der Bundeswehr wird gewiss keine grosse Resonanz beschieden sein. Aber wenn sie die von Guttenberg initiierte und von de Maizière in Angriff genommene Bundeswehrreform energisch weiterführt und vor allem dafür kämpft, dass sich Deutschland wieder besser in die Nato integriert, dann könnte sie eines Tages sehr wohl ins Kanzleramt einziehen.

Quelle: Neue Zürcher Zeitung vom 17.12.2013, Seite 5: